Achtsamkeit – was ist das?

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Herzlich Willkommen auf meinem Blog zum Thema Achtsamkeit.

Gerne teile ich hier mit Ihnen meine Gedanken über die Bedeutung und den Wert von Achtsamkeit.

Achtsamkeit – diesem Wort begegnen sie mittlerweile auf vielen Webseiten, in Inseraten, Büchern, Ratgebern, beim Arzt, im Gespräch mit der Freundin, auf Reiseprospekten – ja, sogar ein Kochbuch zum Thema «achtsame Küche» habe ich schon gesehen.

Doch was wird unter Achtsamkeit verstanden?
Und warum beschäftige ich mich mit Achtsamkeit?

Vor vielen Jahren bin ich dem Begriff «Aufmerksamkeit» bei Simone Weil, einer jüdischen Mystikerin aus dem letzten Jahrhundert begegnet, der mich nachhaltig beeinflusst hat. In einem Ihrer Sammelbände von Texten «Aufmerksamkeit für das Alltägliche»1, steht auf Seite 62 «Die Aufmerksamkeit besteht darin, das Denken auszusetzen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand offen zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu benutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie ihn berührten…vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen.»
Diese Auseinandersetzung mit der Aufmerksamkeit hat mich magisch angezogen.
Was wäre das für eine wunderbare Art, Menschen, Situationen und Ereignisse offen und ohne Wertung zu begegnen. Wie und was würden wir sehen? Wie wäre es, keine voreingenommenen Bilder und Bewertungen im Kopf zu haben, sondern alle und alles immer wieder neu zu entdecken?
Ich liebe es zu reflektieren und bin dankbar über meinen wachen Geist. Doch manchmal spielt er mir Streiche, indem sich meine Gedanken unaufhörlich um etwas kreisen, auch in Situationen, in denen ich gerne Ruhe hätte. Ja, manchmal plappert es laut in meinem Kopf. Und da lese ich von der Möglichkeit eines aufmerksamen, wertfreien Annäherns an einen
Menschen oder eine Situation. Was für ein Versprechen!

Ich machte mich auf die Suche nach diesem Weg und der führte mich über die Jahre hinweg und im Studium von verschiedenen Traditionen und Autoren zum Begriff «Achtsamkeit».

Dieser Begriff der «Aufmerksamkeit» von Simone Weil hat sich erweitert, indem er nicht «nur» das Denken wertfrei beobachtet, sondern im Begriff der «Achtsamkeit» auch die Emotionen mitberücksichtigt. Diese tauchen – verbunden mit den einhergehenden Körperempfindungen – auf und verschwinden wieder.. Was würde Simone Weil zu dieser Erweiterung sagen?

Ich bin davon überzeugt, dass sie sich freuen würde, dass viele Menschen sich nun auf den Weg machen: Nicht wertend, nicht interpretierend, sondern mit einem leeren Geist die Fülle des Lebens wahrzunehmen.

Dazu möchten auch die BINJA – Webseite und die verschiedenen BINJA –Achtsamkeitsprogramme einen Beitrag leisten. Ganz im Sinn der grossen Denkerin Simone Weil, die überzeugt war, dass der Mensch zurückfinden sollte zur seelischen Wahrheit im Handeln und im Sein.

Bis zum nächsten Mal!

Herzlichst
Ruth Monstein

 

Der Aufmerksamkeitsbegriff von Simone Weil, jüdische Mystikerin (1909 – 1943)

1 Aufmerksamkeit für das Alltägliche, ausgewählte Texte zu Fragen der Zeit, Simone Weil, Herausgeber Otto
Belz, Kösel Verlag, München, 1987